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Donnerstag, 05. Dezember 2013
 
Fit fürs Leben ohne teure Kurse PDF Drucken E-Mail

Baby-Yoga, Frühchinesisch, Kindertennis Eltern von Kleinkindern steht ein riesiges Angebot an Frühförderprogrammen zur Auswahl. Nicht nötig, meint Entwicklungsexperte Remo Largo. Kinder brauchen in erster Linie Kontakte zu anderen Kindern und Eltern, die mit ihnen Zeit verbringen.Eltern kleiner Kinder haben die Qual der Wahl: Für Vierjäh-rige gibt es die Tennisakademie, schon ab dem siebten Monat können Babys Handzeichen anwenden lernen, und bereits Säuglingen wird Musikunterricht angeboten – auf Wunsch auch in Englisch. Frühförderung boomt. Das Angebot wächst und wird rege genutzt. Wer nicht mitmacht, hat ein schlechtes Gewissen.

Dale Bof (42) aus Unterengstringen ZH aber nicht. Er ist überzeugt, dass seine drei Töchter genug lernen, wenn er sich mit ihnen beschäftigt und ihnen spielerisch die Welt erklärt. Heute zum Beispiel wird gemeinsam gemalt. Natalija (5), Nastasija (5) und Naomi (7) stehen dicht gedrängt vor einer nachtblau bemalten Leinwand. «Spachtel oder Pinsel?», fragt Bof. «Pinsel!», rufen die Mädchen im Chor.Nach zehn Minuten konzentrierter Arbeit präsentieren sie stolz das vollendete Gemälde: ein eierförmiger Mond mit doppelt so grossen Sternen. «Sie lieben das», sagt Bof zufrieden grinsend, «manchmal malen wir drei Stunden am Stück.» Nicht selten geht damit ein ganzer Donnerstagnachmittag drauf – den verbringen die Mädchen jeweils bei Papi statt bei dessen Exfrau. Und jede zweite Woche bleiben sie gleich bis Sonntagabend.

Zeit ist alles, was Kinder brauchen

«Mit meinen Töchtern zusammenzusein ist mir einfach wichtig», sagt Bof, während er Pinsel und Farben einsammelt. Dafür organisiert er seinen rund 120- Prozent-Job als Stiftungsrat einer Pensionskasse so, dass viel Zeit für die Mädchen bleibt. Auf dem Programm stehen neben dem Malen auch Streifzüge durch den Wald, Kinderkonzerte, Velo-, Schlittschuh- und Skifahren.

Gemäss Entwicklungsexperte Remo Largo bietet Dale Bof seinen Töchtern genau das, was Kinder brauchen: Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Im Gegensatz zu den boomenden Frühförder-programmen erfülle das die Bedürfnisse der Kinder. Remo Largo hat nichts dagegen einzuwenden, dass kleine Kinder gefördert werden. Die Frage ist aber, wie. Der Kinderarzt plädiert für weniger Aktio- nismus, zumal von Baby-Yoga bis Frühchinesisch keines der gän- gigen Frühförderprogramme den Kindern später im Leben erwiesenermassen einen Vorteil bringe. Dass dennoch viele Eltern ihre Kleinkinder auf Leistung trimmen, hat gemäss Largo vor allem einen Grund: «Förderprogramme befriedigen nur die Erwartungen der Eltern.»«Meine Kinder lernen bei allem, was wir unternehmen, etwas», ist Dale Bof überzeugt. Im Vordergrund stehe allerdings immer der Spass. Ohne Motivation der Mädchen laufe sowieso gar nichts. «Ich fange mal an, etwas zu machen, und sie machen mit.» Oder auch nicht. Wenn die Mädchen nicht wollen, verlegt Dale Bof seinen Plan auf später und setzt ihn alleine oder mit Kollegen um. Flexibel ist auch das Umfeld des 42-Jährigen. «Meine Exfrau und ich wohnen im gleichen Dorf und sind in der Kinderbetreuung unkompliziert», erklärt Bof.
Von solchen Bedingungen kann Liliana Sciascia aus Basel nur träumen. Sie zieht den fünfjährigen Leonardo allein auf und arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum. «Für Spiele und Ausflüge bleibt leider sehr wenig Zeit», sagt die 40-Jährige. Wenn sie arbeiten geht, ist Leonardo im Kindergarten und im Hort. Trotzdem nimmt sich Liliana Sciascia immer wieder bewusst Zeit, um sich ihrem Sohn zu widmen und ihm etwas beizubringen.«Wenn ich Hausarbeit mache, ist Leonardo fast immer dabei», sagt Sciascia. Am liebsten geht Leonardo einkaufen. «Das letzte Mal haben wir Winterrollen gepostet», sagt er mit schelmischem Lachen. Er weiss genau, dass es Frühlingsrollen heisst.

Mani-Matter-Lieder singen statt Kinder-Yoga üben

Gemeinsam rüsten Mutter und Sohn am Küchentisch Gemüse fürs Abendessen. Leonardo schält ein Rüebli, rettet dann mit seinem Heli Tomaten. Während andere Eltern ihre Kinder in solchen Momenten vor dem Fernsehgerät parkieren, hat Sciascia ihren Sohn lieber bei sich. Ganz bewusst. «So lernt der Junge Alltägliches wie Kochen oder Haushalten und entdeckt dabei die Welt.» Oft entstehen in diesen Momenten ausserdem interessante Gespräche. «Kürzlich hat mir Leonardo erklärt, dass man beim Träumen wahrscheinlich eine Art Bildschirm vor die Augen geschoben bekommt, auf dem die Träume als Filme ablaufen», erzählt Sciascia.

Der 40-Jährigen ist durchaus bewusst, dass unter vielen Eltern im Hinblick auf den Schuleintritt ein wahres Wettrüsten stattfindet. Das beeindruckt die Alleinerziehende überhaupt nicht. «Leonardo interessiert sich noch nicht sehr für Buchstaben und Zahlen.» Dafür singe er den ganzen Tag Lieder. «Am liebsten Mani Matter. Einige kann er schon auswendig.» Wer die Texte des verstorbenen Berner Liedermachers kennt, weiss, dass dessen Poesie ziemlich anspruchsvoll ist.Das einzige Zugeständnis von Liliana Sciascia an eine moderne Kinderförderung ist der regelmäs-sige Besuch einer Musikschule. Leonardo liebt den Unterricht heiss. «Im Sommer kommt vielleicht noch ein Schwimmkurs dazu», überlegt die Baslerin. Das wäre für Leonardo eine gute Gelegenheit, überschüssige Energie abzubauen. «Ausserdem ist es sowieso gut, wenn man schwimmen kann», ist die Alleinerziehende überzeugt. Mehr als das wäre aber zu viel. Damit macht Liliane Sciascia gemäss Remo Largo alles richtig. Der Kinderarzt betont, dass Kinder für eine gesunde Entwicklung drei Dinge brauchen: Umgang mit anderen Kindern, viel Zeit im Freien und eine Bezugsperson, mit der sie banale Alltagsdinge teilen können. Mehr sei nicht nötig, ist der Entwicklungsexperte überzeugt.

Kinder haben nur eine Aufgabe – sie sollen spielen

An diese Maxime hält sich auch Dale Bof. Der 42-Jährige hütet sich vor Übertreibungen bei der Kinderförderung: «Das kann einem Kind die Kindheit rauben.» Der dreifache Vater ist überzeugt, dass Kinder, bis sie zwölf Jahre alt sind, nur eine einzige Aufgabe haben: «Spielen, spielen und noch mal spielen.»

Text Yvette Hettinger / Bild René Ruis

DAS SAGT DER EXPERTE

«Existenzielle Ängste»Remo Largo (65) war Kinderarzt am Zürcher Kinderspital. Er schrieb viele Bücher über die Kindsentwicklung. Das neuste: «Schülerjahre»*.

Remo Largo, Frühförderung ist zurzeit die Maxime unter Eltern. Was versteht man eigentlich darunter?

Dafür gibt es wohl verschiedene Definitionen. Ich nenne es Frühförderung, wenn Erwachsene versuchen, aktiv auf die Entwicklung eines Kleinkinds Einfluss zu nehmen, und damit eine Erwartung verbunden ist, wie das Kind werden soll. Damit geht die Wissensvermittlung über das hinaus, was das Kind aufnehmen kann.

Warum ist die frühe Förderung von Kindern so in Mode?

Weil Eltern existenzielle Ängste plagen. Sie wissen, dass es nicht mehr so einfach ist, beruflich erfolgreich zu sein. Sie üben Druck aufs Kind aus, damit etwas aus ihm wird. Ausserdem sind heutzutage die meisten Kinder geplant. Eltern verzichten dafür bewusst auf einige Dinge. Im Gegenzug wollen sie etwas bekommen. Damit aus dem Kind etwas Beachtliches wird, fördert man es früh.

Welche Kurse verschaffen Kindern denn nachhaltig einen Vorteil?

Keine. Keine einzige Studie belegt, dass Förderprogramme dem Kind längerfristig etwas nützen. Sie befriedigen nur die Erwartungen der Eltern.

Was brauchen die Kinder?

Kinder entwickeln in den ersten fünf Lebensjahren den grössten Teil ihrer Motorik, der Sprachfertigkeiten, der sozialen Kompetenzen und der kognitiven Fähigkeiten. Dafür braucht es erstens viel Erfahrungen mit anderen Kindern: mindestens drei Stunden jeden Tag, am besten in altersdurchmischten Gruppen. Zweitens brauchen Kinder, Eltern und andere Bezugspersonen, mit denen sie ganz banale Alltagsdinge teilen können: Kochen, Gartenarbeit, Einkaufen und so weiter. Drittens wollen Kinder draussen sein, in der Natur.

Man sagt aber, dass Kinder nie mehr so leicht lernen wie im Vorschulalter. Was spricht gegen einen zweisprachigen Kindergarten?

Nichts. Tatsächlich profitieren Kinder von Erwachsenen, die konsequent eine bestimmte Sprache mit ihnen sprechen – sofern das keine Schulmeis- terei, sondern gelebte Sprache ist. Das hat aber nichts mit Förderung zu tun.

Was ist von speziellen Förderprogrammen für Migrantenkinder zu halten?

Deutschunterricht im Vorschul- alter ist absurd. Diese Kinder sollten in den ersten fünf Jahren mit Deutsch sprechenden Kindern aufwachsen dürfen. Dann sind sie bis zum Kindergarten auch sprachkompetent.

Wie sollen Eltern vorgehen, damit sie die Kinder zumindest nicht überfordern?

Sie sollten sich fragen, was sie selber dem Kind bieten können. Sie könnten mit dem Kleinen nach draussen gehen und es in Pfützen springen und Schnecken beobachten lassen. Das braucht natürlich Zeit. Aber Zeit ist etwas vom Wertvollsten, das Eltern ihren Kindern geben können.

* «Schülerjahre, wie Kinder besser lernen» (Piper)

Der Artikel ist im MM (Migros Magazin) erschienen.