| Ursachen des „Babybooms“ in Frankreich |
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Politiker in Schweiz pochen regelmässig darauf, dass staatliche Rahmen-bedingungen kaum einen Einflusss auf die demografische Entwicklung haben. Zum Beispiel sei ein hohes Kindergeld kein Grund, mehr Kinder zu haben. Nun zeigen neue Zahlen aus Frankreich, dass der Staat sehr wohl die Geburtenrate beeinflussen kann. Entgegen dem europäischen Trend liegt die Zahl der Geburten dort so hoch wie vor 25 Jahren. Der Erfolg wurde mit massiver externer Kinderbetreuung – aber auch mit Zuwendungen an die Eltern – möglich. 830'900 Geburten verzeichnet Frankreich im vergangenen Jahr. Die Französin bekommt demnach wieder durchschnittlich 2 Kinder – mehr als im Vorjahr (1,94) und mehr als alle anderen Europäerinnen. Frankreich nähert sich damit der Reproduktionsgrenze, die bei 2,07 Kindern pro Frau liegt. Der Durchschnittswert der 25 EU-Staaten betrug 2005 lediglich 1,53 Kinder. Für 2006 liegen die Zahlen der umliegenden Länder noch nicht vor. Auffällig: Die Beschäftigungsquote französischer Frauen liegt insgesamt bei 66 Prozent. Im Alter zwischen 30 und 50 Jahren erreicht sie sogar rund 85 Prozent. Es scheint, dass in Frankreich die Mütter ihre Kinder gerne fremdplatzieren. Rechte und linke Regierungen haben eine Familienpolitik gefördert, die Frauen die Berufstätigkeit ermöglicht. Schon 1992 stellte die damals sozialistische Regierung Mittel für die Beschäftigung von Tagesmüttern bereit. Die konservative Nachfolge-Regierung schuf dann eine grosszügige Steuerermässigung für Haushalthilfen und Kindermädchen. In den folgenden Jahren wurde sodann die Zahlung des Kindergelds für kinderreiche Familien bis zum 19. Lebensjahr verlängert, ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub geschaffen und schliesslich ein Elternurlaub mit guten Ersatzleistungen eingeführt. Ecole maternelle – die externe Betreuung der KleinenVom dritten Lebensjahr an sind die kleinen Franzosen alle in der „Ecole maternelle“, die eine Betreuung von 8 oder 9 Uhr früh bis halb Fünf nachmittags bietet, an manchen Orten können ältere Schüler anschliessend ihre Hausaufgaben unter Aufsicht machen. In den Schulferien organisieren Gemeinden kostengünstige Freizeitprogramme für Kinder. Ob auch die Einführung der 35-Stunden-Woche die Geburtenrate gefördert hat, ist noch nicht untersucht. Viele Unternehmen und Verwaltungen kompensieren die Arbeitszeitverkürzung mit zusätzlichen freien Tagen, was Eltern angesichts der langen französischen Schulferien (17 Wochen pro Jahr) sehr gelegen kommt. Frankreich hat bei 63 Millionen Einwohnern heute einen Geburtenüberschuss von 300¹000. Im Gegensatz zu anderen Ländern bekommen in Frankreich fast alle Frauen Kinder, ungeachtet ihres Bildungs- oder Einkommensniveaus; in Deutschland haben etwa 40 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss im Alter von 40 Jahren kein Kind. Ähnliches gilt für die Schweiz. Die Demographen spielen den Anteil der Kinder aus Einwandererfamilien herunter: Schon in der zweiten Generation hätten diese nicht mehr Kinder als die Frauen aus französischen Familien. Zwanzig Prozent der Kinder, die seit 1960 in Frankreich zur Welt gekommen sind, seien in Einwandererfamilien geboren. Die hohe Geburtenrate ändert aber nichts daran, dass sich auch Frankreich dringend um eine Reform der Rentenkassen kümmern muss. Auch die französische Bevölkerung altert, weil die Frauen ihre Kinder später bekommen. Die Zahl der Geburten steigt nur bei Frauen über 30 Jahren. Gleichzeitig verlässt die Generation der Babyboomer den Arbeitsmarkt. |
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